Zum Tode von Elisabeth Alexander

Ein schöpferisches und
bewegtes Leben ging zu Ende

Von Hubert Bär

 Ende der siebziger Jahre begegnete mir der Name das erste Mal: Elisabeth Alexander. Eine Rezension in der ‚Zeit‘ befasste sich ausführlich mit ihrem Roman Die törichte Jungfrau. Der Roman markierte den literarischen Durchbruch der Autorin, nicht nur auf nationaler Ebene.

Aufsehen erregt hatte sie, die seit 1970 als freie Schriftstellerin tätig war, schon früher, nicht zuletzt mit performanceartigen Lesungen ihrer damals als provozierend freizügig angesehenen Gedichte. Nun aber wurden ihre Texte ins Französische, Amerikanische, Chinesische und andere Sprachen übersetzt, sie wurde im In- und Ausland mit Lehraufträgen betraut und mit Preisen geehrt. Unter anderem war sie Ehrengast der Villa Massimo in Rom und erhielt die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. Ihr Werk umfasst mehr als 40 Buchveröffentlichungen: Gedichte, Kurzprosa, Erzählungen, Essays, Hörspiele und Romane. 2002 begann der Verlag ‚édition trèves’ mit dem ersten Band einer Werkausgabe: Die sieben Häute der Hanna Winter. Weitere Bände sind allerdings nie erschienen.

Elisabeth Alexander, die am 21. August 1922 in Linz am Rhein geboren wurde und seit 1946 in Heidelberg lebte, konnte nicht nur literarisch auf ein intensives, bewegtes Leben zurückblicken. Sie, die einer Handwerkerfamilie entstammte, arbeitete als Hausgehilfin, Kindermädchen, als Buchhalterin, als Rechnungsführerin in deutschen Kriegslazaretten, als Sekretärin bei der US-Armee und von 1975 bis 1982 als freie Mitarbeiterin für das ‚Heidelberger Tageblatt‘. Nach einer 1963 geschiedenen Ehe zog sie als alleinstehende Frau zwei Söhne und eine Tochter groß, eine Lebensleistung, die sie in manche Widersprüchlichkeit stürzte, was auch in ihrem literarischen Werk, hauptsächlich in dem Roman Sie hätte ihre Kinder töten sollen ihren Niederschlag fand. Frederick Alfred Lubich hat in seinem Buch ‚Die törichte Jungfrau‘ oder Die Wiederkehr der großen Mutter umfangreich und tiefsinnig über die Nähe von Elisabeth Alexanders Werk zum Muttermythos in seinen verschiedenen Ausformungen und vielschichtigen Bedeutungsvarianten spekuliert. Irmgard Elsner Hunt ließ sich in diesem Zusammenhang in ihrem Buch über den Abbau des Muttermythos. Zum Prosawerk von Elisabeth Alexander ausführlich über dieses Thema aus.

Trotz der allseits geäußerten Anerkennung und trotz vieler Ehrungen, die Elisabeth Alexander aufgrund ihres literarischen Werks erfuhr, war es ihr nie vergönnt gewesen, ein materiell abgesichertes Leben zu führen. Wer sie näher kannte, konnte nur staunen, mit welchem Selbstbewusstsein sie die Not, die sich durch ihre ganze Existenz zog, meisterte.

In den letzten Jahren war es still um sie geworden. Sie war an den Rollstuhl gefesselt, und die nachlassende Sehkraft hinderte sie, ihrer schriftstellerischen Arbeit weiter nachgehen zu können. Immerhin war es ihr vergönnt, weiterhin in ihrer Dachgeschoss-Wohnung leben zu dürfen, fürsorglich betreut von ihrem Sohn Matthias. Als dieser überraschend starb, hatte sie nicht nur dieses schicksalhafte Ereignis zu verkraften, sondern auch den Umzug in ein Heidelberger Alten- und Pflegeheim, in dem sie sich aber schnell heimisch und gut betreut fühlte.

Am 17. Januar 2009 gegen 8.30 Uhr ist Elisabeth Alexander im Kreis ihrer engsten Angehörigen friedlich entschlafen.

Der Förderkreis dankt Hubert Bär für diesen Text, den er eigens für diese Internetseite zur Verfügung gestellt hat.

Eine weitere Würdigung Elisabeth Alexanders hat Maja Langsdorff, langjährige Geschäftsführerin des Förderkreises, geschrieben. Auch ihr herzlichen Dank!