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Thaddäus-Troll-Preis 2005Preisträgerin: Angelika Overath, Tübingen
Ulrich Zimmermann, der Vorsitzende des Förderkreises, überreicht den Thaddäus-Troll-Preis an Angelika Overath. Foto: Peter Tkocz Die Jury des Förderkreises hat der Tübinger Autorin am 8. Juli 2005, drei Tage nach dem 25. Todestag des Namensgebers, den mit 10.000 Euro dotierten Thaddäus-Troll-Preis zugesprochen. Sie erhält ihn für ihr Buch Nahe Tage, Roman einer Nacht, das Mitte August dieses Jahres im Göttinger Wallstein Verlag erscheint. Die Preisübergabe an die in Karlsruhe geborene Autorin fand am 9. November 2005 um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Stuttgart (Wilhelmspalais – Mörikekabinett) statt.
Die Begründung der Jury:Angelika Overath erhält den diesjährigen Thaddäus Troll Preis für ihren Erstlingsroman „Nahe Tage. Roman in einer Nacht“. Der Roman erzählt die Geschichte einer pathologischen Mutter-Tochter Beziehung, wie sie sich in den ersten 24 Stunden nach dem Tod der Mutter im Kopf der Tochter abspielt. In Nahaufnahmen von beklemmender Direktheit entfaltet sich das Bild einer Kleinfamilie in den fünfziger und frühen sechziger Jahren. Mutter-Tochter und ein suizidaler, meist abwesender Vater. Am Anfang gehörten auch noch der Großvater und die Großmutter mit dazu, der Großvater schon bald in Gestalt eines schwarzen Grabsteins, die Großmutter unauffällig, still, fast wie ein Möbelstück. Ein harter und genauer, an zahlreichen Reportagen geschulter Blick auf eine Beziehung, deren „Liebesgewalt“ kaum Platz zum Atmen läßt. Der Roman ist ein erzählerisches Meisterwerk. In knappen, lakonischen Sätzen – „Zwei Zöpfe waren eine sichere Frisur“ – entsteht das schonungslose Bild einer heimat- und beziehungslosen Kleinfamilie im Nachkriegsdeutschland. Zuhause war anderswo, irgendwo an der Grenze zwischen Böhmen und Mähren. Die Autorin erzählt und beschreibt nicht, sondern sie malt sprachmächtige Bilder von ungeheurer Ausdrucksstärke, die sich aneinanderreihen zu einer Allegorie des Verlorenseins. Angelika Overaths Sprache ist von erbarmungsloser Genauigkeit, einer fast spröden Eigenwilligkeit. Dabei gelingen ihr Bilder von überwältigender Schönheit und großer poetischer Dichte: Erinnerungen werden zu „schweifenden Nomaden der Seele“. Ihre Sprachgenauigkeit, für die auch eine präzise Wortwahl steht (die „Gießrosette“), ist von solcher Kraft, daß die Dinge und die Wörter fast ineinander übergehen, ganz so wie für das Kind im Roman die „Membran zwischen dem Leben und den Wörtern“ ganz dünn geworden war. Zur Person:
Foto: Peter Tkocz Geboren 1957 in Karlsruhe. Nach dem Abitur (1976) Studium der Germanistik, Geschichte, Italianistik und Empirischen Kulturwissenschaft in Tübingen. 1986 Promotion (Studienstiftung). Bereits während des Studiums arbeitete Angelika Overath als freie Mitarbeiterin beim „Schwäbischen Tagblatt“. Seit 1982 erste Reportagen in dem damals von Hans Magnus Enzensberger gegründeten Magazin „TransAtlantik“. Von 1988-1991 in Thessaloniki. Reportagen und Landschaftsbilder über Griechenland für „Geo“, „Frankfurter Rundschau“, „TransAtlantik“, den Süddeutschen Rundfunk und andere Medien. Seit 1991 lebt Angelika Overath als freie Autorin in Tübingen. Sie verfasste zahlreiche Reportagen, Essays und Kurzprosa sowie Rundfunkfeatures zu literarischen Themen. Seit 2000 regelmäßige Tätigkeit als Dozentin für kreatives Schreiben. 1996 erhielt sie den Egon Erwin Kisch-Preis für literarische Reportage. 1999 Stipendien der Kunststiftung Baden-Württemberg und des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. 2001 Arbeitsstipendium des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg. 2002/03 Jahresstipendium des Deutschen Literaturfonds Darmstadt. Angelika Overath ist verheiratet und hat drei Kinder. Veröffentlichungen:
Glückwünsche von Bibliotheksleiterin Bußmann, der Gastgeberin des Abends. Foto: Peter Tkocz Das andere Blau. Zur Poetik einer Farbe im modernen Gedicht. Metzler-Verlag, Stuttgart 1987. Händler der verlorenen Farben. Wahre Geschichten. Libelle-Verlag, Lengwil 1998. Vom Sekundenglück brennender Papierchen. Wahre Geschichten. Libelle-Verlag, Lengwil 2000. Spatzenweisheit. Mit Photographien von Horst Munzig. Herder-Verlag, Freiburg 2001 (2002 ins Niederländische übersetzt). Toleranz. Drei Lesarten zu Lessings Märchen vom Ring im Jahr 2003 (zusammen mit Robert Schindel und Navid Kermani). Wallstein-Verlag, Göttingen 2003. Das halbe Brot der Vögel. Portraits und Passagen. Wallstein-Verlag, Göttingen 2004. Generationen – Bilder. Ein Essay. (Erscheint August/September 2005 im Libelle-Verlag, Lengwil.) Nahe Tage. Roman in einer Nacht. (Erscheint August 2005 im Wallstein-Verlag, Göttingen.) Anthologien:Das blaue Buch. Lesarten einer Farbe. Greno-Verlag, Nördlingen 1988 (zusammen mit Angelika Lochmann). 2. Auflage 1989. Von der Realität des Lebens. Nachrichten aus dem Alltag mit Friedrich Hölderlin, mitgeteilt von Lotte Zimmer. Friedenauer Presse, Berlin 1997 (zusammen mit Gregor Wittkop). Schlimme Ehen. Ein Hochzeitsbuch. Eichborn-Verlag, Frankfurt/M. 2000, 2. Aufl. 2001 (Die Andere Bibliothek. Hg. v. Hans Magnus Enzensberger, Bd. 189; zusammen mit Manfred Koch). Die Kunst des Einfachen. Kommentierte Anthologie. Herder-Verlag, Freiburg 2000 (zusammen mit Manfred Koch). Schlaflos. Das Buch der hellen Nächte. Ein literarisches Notturno für Schlafsuchende und Wache. Libelle-Verlag, Lengwil 2002 (zusammen mit Manfred Koch). Aufsätze, Essays, Reportagen:Seit 1982 Veröffentlichung zahlreicher Reportagen, Essays, Prosastücke u.a. für „TransAtlantik“, „Wolkenkratzer“, „Geo“, „Merian“, „Zeit-Magazin“, „Tagesanzeiger-Magazin“, „du“, „Frankfurter Rundschau“, „Neue Zürcher Zeitung“, „Akzente“, „Merkur“, „Neue deutsche Rundschau“. Seit 1991 regelmäßige Radiofeatures für den Süddeutschen Rundfunk (bzw. Südwestrundfunk) und den Westdeutschen Rundfunk. Seit 1996 regelmäßige Tätigkeit als Literaturkritikerin. Weitere Informationen:
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Stand: 03.03.2007 |
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