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Pressemitteilung vom 12.7.2008

Annette Pehnt erhält den Thaddäus-Troll-Preis 2008

Der Förderkreis Deutscher Schriftsteller in BW vergibt den diesjährigen Thaddäus-Troll-Preis an die Autorin Annette Pehnt für ihren Roman Mobbing (München, 2007, Piper).

Für Leserinnen und Leser zeitgenössischer Literatur hat der Name dieser Autorin einen guten Klang, denn schon ihr Erstlingsroman Ich muss los (2001) war eine literarische Entdeckung und wurde von der Kritik hoch gelobt. Der zweite Roman Insel 34 erschien 2003.

Annette Pehnt, die 1967 in Köln geboren wurde, lebt heute mit ihrer Familie in Freiburg im Breisgau. Die Stadt dürfte Schauplatz ihres ersten und auch des neuesten Romans sein. Nach dem Abitur (1986) hielt sie sich in Belfast auf, wo sie freiwillige Sozialarbeit leistete. Anschließend studierte sie Anglistik, Keltologie und Germanistik an den Universitäten Köln, Galway (Irland), Berkley (Kalifornien) und Freiburg i. Br. Auf das erste Staatsexamen folgte dort 1997 die Promotion mit einer Arbeit zur modernen irischen Literatur. Heute arbeitet Annette Pehnt als freie Schriftstellerin, Literaturkritikerin und als Lehrbeauftragte an der Universität Freiburg. Aber sie ist vor allem auch Mutter von drei Kindern und hat im vergangenen Jahr für ihr Buch Rabea und Marili den Kinderbuchpreis des Landes NRW erhalten, sicher nicht die unwichtigste unter ihren Auszeichnungen: 2001 Förderpreis zum Künstlerinnenpreis des Landes NRW, 2002 Preis der Jury der Klagenfurter Tage der deutschsprachigen Literatur, u. a.

Mobbing, der Roman, für den Annette Pehnt nun den Thaddäus-Troll-Preis erhält, schildert die Situation einer typischen Mittelstandsfamilie: Der Mann verliert durch „Mobbing“ den Arbeitsplatz und damit die innere Balance, was sich rasch auf das ganze Leben und Lebensumfeld der Familie auswirkt. Eine banale Alltagssituation, könnte man denken, aber wie hier aus der Perspektive der Ehefrau und Mutter die Veränderungen des Alltags, die Gefühle der Partner füreinander, ihr Kommunikationsstil nicht nur geschildert sondern in Szene gesetzt wird, verleitet die Leser nur für kurze Zeit zu teilnehmender Identifikation. Immer stärker drängt sich beim Weiterlesen der Verdacht auf, dass es weniger die misslichen Umstände sind, die zu neuen Zuspitzungen führen, als viel mehr die Unfähigkeit der Betroffenen, sich gegenseitig zu stützen und mit der Situation klar zu kommen. Die Angst vor dem sozialen Abstieg und dem Verlust menschlicher Beziehungen und das Bemühen, den Schein aufrecht zu erhalten, führt tatsächlich sehr rasch zu einer zunächst nur gefühlten Vereinsamung. Freundschaften verändern sich oder lösen sich auf, der Lebensstandard ist in Frage gestellt und damit das Selbstwertgefühl des Paares, das wohlige Lebensgefühl schwindet. – Und dann dazwischen diese wunderbaren Kinderszenen wie Sternchen in der Finsternis, die in der heutigen Literatur kaum ihresgleichen haben.

Annette Pehnt hat ein Buch geschrieben, in dem kein Satz zu viel steht, aber auch keiner zu wenig. Sie hat die Mentalität einer Generation, die gut qualifiziert, noch nicht alt und ziemlich gesund, aber vom Wohlstand verwöhnt ist, genau wahrgenommen und dargestellt. Es ist ein manchmal provozierendes, nachdenklich machendes Lesevergnügen, das zu der Frage nach neuen und vielleicht ganz anderen inneren Einstellungen und Bewältigungsstrategien führt, deren Beantwortung jeder Leser selbst leisten muss. – All dies macht Annette Pehnt zu einer herausragenden Autorin und würdigen Preisträgerin.

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