THADDÄUS-TROLL-PREIS 2017 AN MANUELA FUELLE

Die Freiburger Autorin erhält am 10. Dezember 2017 im Literaturhaus Freiburg die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung. Manuela Fuelle wurde 1963 in Ost-Berlin geboren, studierte Evangelische Theologie in Greifswald und Berlin. Sie ergänzte ihre Ausbildung durch ein Studium am Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen. Manuele Fuelle veröffentlichte zahlreiche literarische Beiträge in Zeitschriften, erhielt 2007 das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste in Berlin, 2012 das Literaturstipendium des Landes Baden-Württemberg. Nach „Fenster auf, Fenster zu“, 2011 im Tübinger Verlag Klöpfer & Meyer, ist „Luftbad Oberspree“, im Freiburger Derk Janßen Verlag 2016 erschienen, ihr zweiter Roman.
Die unabhängige Jury schreibt in ihrer Begründung: „In ‚Luftbad Oberspree‘ führt die Ich-Erzählerin, eine junge Mutter im Berlin der Wendezeit, in zwölf Episoden durch ihr Leben. Die Kapitel tragen schmucklos die Namen der Monate, die geschilderten Begegnungen halten sich nicht an die vorgegebene Reihenfolge – als sollte der Kalender die springenden Erinnerungen der Ich-Erzählerin zur Ordnung rufen.
Die junge Frau entwirft mit schöner Nüchternheit ein Panoptikum banaler und skurriler Begebenheiten. Der Nahbereich, die eigene kleine Familie, wird dabei nur gestreift. Der Fokus ist auf Beziehungen aus der Vergangenheit und eine Gegenwart eingestellt, von der sich die Frau spürbar entfernt hat. In den Erzählungen spiegelt sich auf sachliche und zugleich raffinierte Weise die innere Distanz der Frau, die unentschlossen, hustend und wehrlos in der Welt steht. Diese schwankende und zerrissene Frau sehnt sich nach einer heilenden Natur und einer stabilen Außenwelt und sie weiß zugleich, dass beides nur Illusion ist. Sie sehnt sich nach einem Leben, das nicht ihres ist, aber sie scheint auch kein anderes zu wollen. Das „Luftbad“, eine altmodische Idee von Seelendusche und innerer Kräftigung, bleibt ein Versprechen, das im „Luftbad Oberspree“, dem ironischen Titel für Berlin, als uneinlösbar entlarvt wird.
Manuela Fuelle beschreibt die Fremdheit ihrer Ich-Erzählerin ohne Pathos, ohne aufgesetzte Metaphorik, in klaren Bildern und in einer klaren Sprache. Manchmal brechen die Sätze ab, gehen in eine Alltagssprache über, und die Erzählerin rückt dem Leser noch näher. Am Ende glaubt man, sie gut zu kennen. Man mag ihren lakonischen Blick auf die Welt. Man mag die Episoden, die ihre Komik aus dem Hinterhalt entwickeln – und man leidet mit ihr. Die Jury fand, dass Manuela Fuelle den Thaddäus-Troll-Preis verdient hat“.
Der Thaddäus-Troll-Preis wird zum Andenken an den Schriftsteller Thaddäus Troll, der sich um die Förderung weniger bekannter Autorinnen und Autoren besonders verdient gemacht hat, jährlich verliehen. Der Thaddäus-Troll-Preis soll qualifizierte Autoren mit erstem Wohnsitz in Baden-Württemberg fördern, die am Anfang ihrer literarischen Karriere stehen.
Das Preisgeld stammt aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden Württemberg und wird von einer unabhängigen Jury unter Leitung des Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg verliehen.
Zur Preisverleihung und Lesung am Sonntag, 10.Dezember 2017, ab 10.00 Uhr in den Räumen des erst jüngst eröffneten Literaturhauses Freiburg in der Alten Universität in der Bertoldstraße 17 ist die Öffentlichkeit eingeladen.
Die Laudatio wird die Tübinger Schriftstellerin, Übersetzerin und Literaturwissenschaftlerin Dagmar Leupold halten.
Der international renommierte Cellist Juris Teichmanis wird die Matinee mit Auszügen aus der Suite Nr. 3,C-Dur BWV 1009 für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach begleiten.