Thaddäus-Troll-Preis 2015: Begrüßung

Gerade in schwierigen Zeiten brauchen wir Literatur

Grußwort von Ingrid Bussmann, Vorsitzende des Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg

Der diesjährige Thaddäus-Troll-Preis geht an die Lyrikerin Carolin Callies – herzlichen Glückwunsch und Ihnen allen ein herzliches Willkommen.
Ein großes Dankeschön an die Stadtbibliothek Stuttgart – Ingrid Gerlach und Andrea Beck sowie das gesamte Team – für die wieder so angenehme und unkomplizierte Zusammenarbeit.
Besonders freut mich, dass ich auch den langjährigen Vorsitzenden des Förderkreises Ulrich Zimmermann heute willkommen heißen kann.

Thaddäus Troll war ein vielseitiger Schriftsteller und ein engagierter Zeitgenosse. Ich weiß nicht, was er heute angesichts der aktuellen Krisen in der Welt sagen würde. Aber ich vermute, er würde ein engagiertes Plädoyer halten für die Literatur, nicht nur für Literatur, die sich unmittelbar einmischt, sondern für die Kraft der gestaltenden Sprache, die immer neue Perspektiven der Wirklichkeit wahrnehmbar macht. Gerade in schwierigen Zeiten brauchen wir Literatur, brauchen wir Poesie!
Talente aufspüren, literarische Begabungen entdecken und ihnen Starthilfe zu leisten, war die Zielsetzung bei der Gründung des Förderkreises vor über vierzig Jahren – und diese Ziele gelten noch immer.
Es geht nicht nur um die Förderung der Talente, es geht vor allem auch um Unterstützung bei der Sicherung des materiellen Lebens, das für viele Autorinnen und Autoren eine tägliche Herausforderung bleibt. Dank der Finanzmittel des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg kann der Förderkreis neben dem Thaddäus-Troll-Preis etwa 20 Arbeitsbeihilfen pro Jahr vergeben, rund 60 Honorare für Lesungen übernehmen, Fortbildungsangebote für Autorinnen und Autoren gestalten und durch einen jährlich erscheinenden Förderband auch noch unbekannten Autorinnen und Autoren eine erste Publikationsplattform bieten. Dies ist im Spektrum der bundesweiten Literatur- und Autorenförderung eine sehr besondere Leistung des Landes BW.
„Thaddäus Troll sucht Nachwuchs“ – unter diesem Motto wurde der Thaddäus-Troll-Preis 1980 angekündigt und dann 1981 erstmals vergeben – das erlebte Thaddäus Troll leider nicht mehr.
Es ist ein Preis, der Autorinnen und Autoren mit aktuellem Wohnsitz in Baden-Württemberg auszeichnet, die vom Förderkreis gefördert wurden und noch am Anfang ihrer Karriere stehen.
Thaddäus Troll hat sinngemäß einmal gesagt,
Es gibt keine objektive Kritik. Hinter jeder Kunstkritik steht der Kritiker und der hat jeweils eine eigene Weltsicht.“ Und die spiegelt sich auch in den Entscheidungen der jeweiligen Jurys über all die Jahre. Aber die Liste der mit dem Thaddäus-Troll-Preis Ausgezeichneten ist eindrucksvoll, viele von Ihnen haben heute ihren festen Platz im deutschsprachigen Literaturbetrieb gefunden.

Talente aufspüren und Begabungen fördern – dieses Ziel Thaddäus-Trolls kann auch der Preis unterstützen. Und in diesem Jahr hat die Jury sich für eine junge Lyrikerin entschieden, eine wirkliche Begabung, die einen sehr eigenen Ton findet, sehr sinnlich, manchmal provozierend, tabulos, innovativ und mutig.
Carolin Callies wurde in Mannheim geboren und lebt in Ladenburg. Sie hat Germanistik und Medienwissenschaften studiert und ist im Verlagswesen tätig. „Fünf Sinne & ein besteckkasten“ ist ihre erste Monographie, veröffentlicht beim renommierten Verlag Schöffling und Co. Aber sie publizierte schon lange in Literaturzeitschriften und Anthologien, war unter anderem 2009 Teilnehmerin am Open Mike in Berlin, dieses Jahr zum Literarischen März in Berlin eingeladen, hier in Stuttgart zur Lyriknacht im Oktober und morgen in Esslingen zur LesArt – das klingt wirklich nach dem Beginn einer literarischen Karriere – und der Preis trägt dazu hoffentlich auch ein wenig bei.
Was die Jury zu dieser weitgehend einmütigen Entscheidung geführt hat, wird die Stuttgarter Lyrikerin und Jurorin Carmen Kotarski im Verlaufe des Abends ausführlich darlegen.
Danke dafür und Dank auch an die Jurymitglieder, die nicht nur über den Preis entscheiden, sondern auch sechsmal im Jahr über die Arbeitsbeihilfen. Dieses Jahr waren das die Autorinnen Birgit Heiderich, Carmen Kotarski, Dr. Christine Lehmann und Katrin Zipse, die Literaturwisssenschaftlerin Lucia Leidenfrost, der Journalist Rolf Spinnler und der Buchhändler Christof Hinderer. Sie haben für den Preis rund 20 Vorschläge geprüft und sich nach intensiver, aber weitgehend übereinstimmender Diskussion für die heutige Preisträgerin entschieden.
Last not least auch ein Dank an unsere Geschäftsführerin Vivien van Straaten sowie meine Kolleginnen und Kollegen im Vorstand, Gerburg Effing-Rolvering, Eugen Faas, Birgit Heiderich und Wolfgang Zwierzynski, der auch für den Büchertisch verantwortlich zeichnet.
Wen wünschen Sie sich denn für die Laudatio? fragte ich Carolin Callies und spontan nannte sie Richard Kämmerlings, der kenne ihr Werk am besten. Und – er hat zugesagt – es ist mir eine große Freude und Ehre ihn heute Abend bei uns zu begrüßen. Er hat eine eindrucksvolle Besprechung des Debüts von Carolin Callies vorgelegt, ist ein renommierter Literaturkritiker mit durchaus pointierten Positionen, leitender Feuilletonredakteur der Zeitung „Die Welt“, zuständig auch für die Beilage „Die literarische Welt“. Er hat für viele Feuilletons geschrieben und ist auch selbst als Autor literaturwissenschaftlicher Bücher tätig. Und unsere Region ist ihm auch nicht fremd, hat er doch auch mal in Tübingen studiert. Herzlich willkommen
Am Flügel darf ich herzlich Andreas Benend begrüßen, er ist Pianist und Musiklehrer aus Ladenburg, hat unter anderem auch hier in Stuttgart an der Musikhochschule sein Soloexamen absolviert und ist schon ab und an mit Carolin Callies aufgetreten – auch er also ein Wunsch der Preisträgerin.
Zum Einstieg gebe ich jetzt die Bühne frei für Carolin Callies und ihren Besteckkasten. Welche Spuren sie da bei Thaddäus Troll gefunden hat, wird sie selbst erklären.
Einen schönen Abend.