Thaddäus-Troll-Preis 2014: Begründung der Jury

Eine Abenteuer-Reise
jenseits der Facebookwelt-Grenzen

Katrin Zipses Glücksdrachenzeit  von Carmen Kotarski

tp2014_ck_200
Carmen Kotarski trug die ausführliche Begründung der Förderkreis-Jury vor. (Foto: M. Seehoff)

Der Thaddäus-Troll-Preis geht in diesem Jahr an ein Jugendbuch. Auch wenn es den Regeln des Genres folgt, verlangt es von Jugendlichen Lese-Energie und Tiefe. Eine Gratwanderung? So schien das auch für die Jury.

Handy, Soundrecorder, SMS, Flugmodus, das muss halt alles hinein. Dann ist man heutiger Autor, jung und in. »Da drückt die kleine alte Frau das Gaspedal durch«. »Garantiert keine Airbags«. Wie eben so geredet wird. Das haben wir zuerst gedacht. Warum sind wir, Leserinnen und Leser, dann trotzdem da eingetaucht, also tatsächlich ein Reiz? Ja, wir haben gespürt, dass dieser Text einen Raum für Phantasie aufmachen wird. Katrin Zipse schubst ihre jungen Leser, Leserinnen in eine andere Vorstellungswelt. Eine Abenteuer-Reise jenseits der Facebookwelt-Grenzen. Und wir horchen auf, als da beim Stöbern der jungen Romanakteure in einer gefundenen Bibel unerwartet sehr ernste Namen und Jahreszahlen auftauchen: beim Bombenangriff Gestorbene, Gefallene, in Stalingrad umgekommene Menschen. Die Autorin schildert die Nachdenklichkeit der jungen Akteure bei ihrem Fund. Und so wäre das auch im Leben: Diese jungen Menschen sind tief zu erreichen. In ihre Welt geht die Autorin hinein und lässt sie dort entdecken, holt sie zu freier Phantasie und nachdenklichem Ernst. Sie lockt sie auch mit grotesker Witzigkeit, wie etwa: »Im Jahr 32999« – Mutter und Kind sammeln Atompilze.

Und sie gibt auch direkte Reflexionsanreize im Dialog ihrer Figuren. Wie zum Beispiel – ich zitiere: »Und haben wir überhaupt das Recht, uns in ihr Leben einzumischen?«

Der Roman hat eine sprühende Energie und auch sprachlich schöne Zeilen. Und das in einem sinnig klugen, herausfordernden Kapitelaufbau. Kapitel 81 zum Beispiel hat nur einen Satz: »Mehr erfährst du nicht.« Eine vielsagende Wahrheit.

Die Jury findet: Das ist ein sehr wertvolles Jugendbuch.