Thaddäus-Troll-Preis 2013: Grußwort

Ein Zeichen für die Bedeutung der Lyrik

Ingrid Bussmann

Einen schönen guten Abend, liebe Gäste und herzliche Gratulation an Matthias Kehle!

Es ist mir eine große Freude, sie alle heute im Namen des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg, dessen Vorsitz ich seit April dieses Jahres innehabe, zu begrüßen.

Die Verleihung des Thaddäus Troll Preises ist der jährliche Höhepunkt der Aktivitäten des Förderkreises und ich bin sehr glücklich, dass wir dieses Jahr dieses wichtige Ereignis hier an einem weit über Karlsruhe hinaus so bedeutenden literarischen Ort feiern dürfen. Großes Dankeschön an sie, Herr Professor Schmidt-Bergmann und an das Team hier im Haus um Frau Rihm und alle, die mitgewirkt haben.

Ein Dankeschön geht auch an den Verlag Kloepfer und Meyer für die Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit und an die Geschäftsführerin des Förderkreises Vivien van Straaten, die sich tatkräftig um die Organisation gekümmert hat, an unseren Vorstand und natürlich an die Jury , die nicht nur einmal im Jahr über die Vergabe des Thaddäus-Troll-Preises entscheidet, sondern alle zwei Monate 15 bis 20 Texte von Autorinnen und Autoren prüft, die ein Arbeitsstipendium beim Förderkreis beantragen. Eine mühevolle und wichtige Aufgabe, etwa 15 Stipendien können wir pro Jahr vergeben. Und viele Autorinnen und Autoren sind dankbar über die finanzielle Unterstützung, auch wenn sie sich in einem sehr überschaubaren Rahmen zwischen 1000 und 4000 Euro bewegt.

Gutes Klima, angemessene Rahmenbedingungen

Ich bin fest davon überzeugt, dass gute Literatur ein breites literarisches Klima braucht, um sich zu entfalten. Und dazu gehören auch angemessene finanzielle Rahmenbedingungen. Die Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg ermöglicht dem Förderkreis neben den Arbeitsstipendien auch Zuschüsse zu Honoraren für Lesungen zu übernehmen, jährlich eine Anthologie mit Texten der geförderten Autoren herauszugeben sowie Seminare zur Weiterbildung von Autorinnen und Autoren anzubieten. Diese finanzielle Unterstützung ist ein vorbildliches Engagement des Landes Baden-Württemberg für die Literatur, das man in dieser Form nicht in vielen Bundesländern findet.

Ich begrüße sehr herzlich Herrn Ministerialrat Heinkele und bedanke mich für die gute Zusammenarbeit und die Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

Zurück geht dies alles unter anderem auf das Engagement von Thaddäus Troll, der im nächsten Jahr 100 Jahre alt würde. Er war ein großer Förderer der Literatur und hat sich Zeit seines Lebens für die Rechte von Schriftstellerkollegen und -kolleginnen und deren Unterstützung eingesetzt. Dazu gehört auch die Gründung des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg, an der er maßgeblich beteiligt war. Der 1980 begründete Thaddäus-Troll-Preis trägt bewusst seinen Namen. Der Preis wird laut Satzung an Autoren verliehen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, oder besser gesagt, an Autoren, denen man eine größere Öffentlichkeit für ihr Werk wünscht, wozu dieser Preis beitragen soll. Und immerhin – 10.000 Euro sind ja auch ein ganz beachtlicher finanzieller Beitrag zur Unterstützung schriftstellerischer Tätigkeit.

Lyrik braucht besondere Förderung

In diesem Jahr nun hat sich die Jury entschieden, den Preis an Matthias Kehle für seinen 2012 im Verlag Kloepfer und Meyer erschienenen und auch äußerlich sehr ansprechend gestalteten Gedichtband „Scherbenballett“ zu verleihen.

Damit wird nicht nur ein Autor ausgezeichnet, der den Preis für sein lyrisches Werk verdient hat, es ist auch ein bewusstes Zeichen für die Bedeutung, die der Lyrik in der Literatur zukommt.

Um es salopp zu formulieren, mit Lyrik wird man im allgemeinen nicht reich, weder als Autor noch als Verleger. Obwohl eine der ältesten Formen der literarischen Verarbeitung von Wirklichkeit, bedarf die Lyrik einer besonderen Förderung. Und deshalb habe ich es sehr begrüßt, dass die Jury sich dieses Jahr mal wieder für einen Lyriker als Träger des Thaddäus-Troll-Preises entschieden hat. Das soll auch eine Ermutigung sein für alle, die sich der Lyrik verschrieben haben.

Matthias Kehle kennen sie hier alle, er ist Schriftsteller, Journalist, Kritiker, ein engagierter und kritischer Zeitgenosse, bis vor kurzem Landesvorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) in Baden-Württemberg.

Er liebt das Wandern in den Bergen und ist sehr aktiv in der virtuellen Welt präsent. „Nur wo man zu Fuß war, war man wirklich“ – steht als Motto über seinem interessanten Wander-Blog und aktuelle Nachrichten aus der Welt des Matthias Kehle findet man in seinem Nachrichten-Blog.

Die Entscheidung, seine Homepage vom Netz zu nehmen und die Nutzer zu fragen, ob man die denn wirklich braucht, scheint mir typisch für Mathias Kehle – Dinge nicht einfach hinnehmen, sondern neu zu bedenken, neu wahrzunehmen.

So sehe ich auch seine Gedichte, die beeindrucken mit ihrer Knappheit und dem Nachhall der Worte, den Assoziationen, die sie beim Leser bewirken, Bilder, die man kennt und plötzlich neu sieht. Aber da hören wir dann mehr und Besseres in der Laudatio.

Es ist ein Glück, dass wir dafür auch einen Träger des Thaddäus Troll Preises gewinnen konnten, einen geschätzten und selbst mehrfach ausgezeichneten Schriftsteller, neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit auch bekannt durch sein überregional bedeutendes Literaturfestival, den Hausacher Leselenz – herzlich willkommen José Oliver.

Für die musikalische Umrahmung des Abends danke ich dem Gitarristen Volker Schäfer, wir freuen uns auf die weiteren Darbietungen.

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Matthias Kehle und der Gitarrist Volker Schäfer

Und nun bin ich gespannt auf die Laudatio und wünsche ihnen allen einen angeregten Abend mit vielen guten Gesprächen beim Empfang im Anschluss.

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Ingrid Bussmann überreicht die Urkunde an Matthias Kehle