Thaddäus-Troll-Preis 2010: Ansprache

Dr. Renate Müller-Buck

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Das Publikum im voll besetzten Max-Bense-Saal der Stadtbücherei Stuttgart. Im Vordergrund: Dr. Renate Müller-Buck und Martin von Arndt. (Fotos: Gabriele Loges)

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie zur diesjährigen Verleihung des Thaddäus-Troll-Preises an Martin von Arndt.

Besonders herzlich begrüße ich natürlich den Preisträger selbst sowie den Schriftsteller und Kulturjournalisten Jürgen Lodemann aus Freiburg, der heute die Laudatio halten wird. Es freut mich auch, die Musiker Rüdiger Frank und Boris Celikovic hier begrüßen zu dürfen, die das Ganze musikalisch begleiten werden. Es sind Musikerkollegen des Preisträgers, die ihren heutigen Beitrag ganz auf Martin von Arndts Roman, in dem Musik ja eine zentrale Rolle spielt, abgestimmt haben.

Der Dank des Förderkreises geht vorweg an die Direktorin der Stadtbücherei Stuttgart, Frau Ingrid Bussmann, für die Gastfreundschaft in ihrem Haus und ihre freundlichen Worte und er geht an das Ministerium für Wissenschaft und Kunst, das uns die Mittel für diesen Preis zur Verfügung stellt.

Der Förderkreis Deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg verleiht den diesjährigen Thaddäus-Troll-Preis an Martin von Arndt für seinen Roman Der Tod ist ein Postmann mit Hut, der 2009 bei Klöpfer & Meyer in Tübingen erschienen ist. Der Preis wurde 1980, im Todesjahr von Thaddäus Troll, zu Ehren seines Namensgebers gestiftet, dem die Förderung des literarischen Nachwuchses im Land stets ein besonderes Anliegen gewesen ist. Er versteht sich im Sinne seines Namensgebers als Förderpreis, der zum Ziel hat, junge Autorinnen und Autoren des Landes zu fördern und zum Schreiben zu ermutigen. Der Preis, der heute zum 27. Mal verliehen wird, ist mittlerweile zu einer anerkannten und viel beachteten literarischen Auszeichnung geworden. Unter den Preisträgern befinden sich Namen wie Rafik Schami, Arnold Stadler, Karl-Heinz Ott, Joachim Zelter, Angelika Overath, Annette Pehnt, José Oliver, um nur einige wenige zu nennen.

Martin von Arndt hat 2007 bereits das große Landesstipendium von Baden-Württemberg erhalten, als Anerkennung für seinen ersten Roman ego-shooter. Mit seinem neuen Roman hat er gezeigt, dass diese Förderung eine gute Investition gewesen ist. Die Arbeit an seinen Romanen wurde auch durch zwei Stipendien des Förderkreises unterstützt.

Lassen Sie mich, meine Damen und Herren, ein paar Worte zu seiner Biographie sagen. Martin von Arndt ist 1968 als Sohn ungarischer Eltern in Ludwigsburg geboren. Er studierte Religionswissenschaft, Germanistik und Psychologie in Würzburg und in Budapest und schloss dieses Studium mit der Promotion ab. Heute lebt er als freier Schriftsteller, Musiker und Dozent in Markgröningen unweit von Stuttgart. Martin von Arndt ist stellvertretender Vorsitzender des VS in Baden-Württemberg und Mitglied im Deutschschweizer PEN-Zentrum.

Neben seinen Romanen veröffentlichte er auch Erzählungen und Gedichte sowie Arbeiten für das Theater: 1997 erschien der Erzählband Der 40. Tag vor Sophienlund, drei Jahre später Lemuren – Arbeiten für das Theater und 2001 der Lyrikband Asrael. 53 Beschwörungen eines Engels. Daneben ist Martin von Arndt Autor mehrerer Sachbücher: 1996 erschien unter dem Titel Gescheiterte Individuation ein erster Band mit Aufsätzen zur Literatur, und 2003 Nachtmeerfahrer, ein weiterer Band mit Aufsätzen zum Verhältnis von Literatur und Psychologie. Seine Dissertation von 1999 Gott im Selbst. Tiefenpsychologische Bibelexegese erschien 2009 in zweiter Auflage, ferner 2008 der Band Klassiker der Religionspsychologie. Zwischen all dem erscheint 2002 Der Fußballcrash, ein Buch über Fußballvermarktung. Martin von Arndt ist auch als sensibler Übersetzer von Lyrik hervorgetreten, und wie es sich für einen so vielseitig begabten und produktiven Autor wie ihn gehört, übersetzt er gleich aus vier Sprachen: aus dem Französischen, Englischen, Spanischen und dem Ungarischen.

Und wenn Sie sich, meine Damen und Herren jetzt fragen, wie er das alles schafft, so kann ich Ihnen versichern, das ist erst der halbe Martin von Arndt. Seine andere, nicht weniger produktive Hälfte gilt mit derselben Fülle und Leidenschaft der Musik. 1983, bereits im Alter von 15 Jahren also, gründete Martin von Arndt die Experimentalmusik-Formation Printed at Bismarck’s Death, mit der er europaweite Konzerttourneen veranstaltet und bis heute über 20 CDs produziert und publiziert hat. Er produzierte Hörspiel- und Filmmusik für den WDR und NDR, sowie für Theater- und Tanztheaterperformances im In- und Ausland. Seit 1997 ist er Live-Saxophonist der Band In My Rosary und war an dem Gemeinschaftsprojekt Griffin’s Fall beteiligt.

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Eleonore Lindenberg, frühere Geschäftsführerin des Förderkreises, überreichte Martin von Arndt zum Schluss der Veranstaltung ein persönliches Geschenk.

Heute wird Martin von Arndt jedoch als Schriftsteller geehrt und für seinen Roman Der Tod ist ein Postmann mit Hut ausgezeichnet. Ein Werk, das von der Kritik mit einhelliger Begeisterung aufgenommen worden ist. Von der Stuttgarter Zeitung über die Zeit bis hin zu SWR und Spiegel gab’s für diesen Roman nur höchstes Lob. Ich will der Laudatio von Jürgen Lodemann nicht vorgreifen, aber Ihnen doch noch die Begründung der siebenköpfigen Jury vorlesen, für deren Arbeit ich mich an dieser Stelle sehr herzlich bedanken möchte. Darin heißt es:

In seinem neuen Roman Der Tod ist ein Postmann mit Hut (Klöpfer & Meyer 2009) erweist sich Martin von Arndt als bewundernswerter Stilist, der mit erstaunlicher Sicherheit eine verblüffende Geschichte erzählt, die sich mit ihren auf den Kriminalroman verweisenden Elementen zwischen komischer Genre-Phantasie und existentiellem Ernst ansiedelt. Es ist dem auch als Musiker und Songtexter hervorgetretenen Preisträger gelungen, sein originelles, ehrgeiziges, viele Tonlagen vermengendes Unternehmen durchzuführen, ohne je danebenzugreifen.

Lassen Sie mich nur noch eins hinzufügen: Martin von Arndt ist ein Meister der Sprache, der am Übersetzen von Lyrik geschult ist, und: Die gedankliche Konzeption dieses Werks und seine menschliche Tiefe, stehen der sprachlichen Meisterschaft in nichts nach. Martin von Arndt ist ein in jeder Hinsicht würdiger Preisträger, dessen Name künftig auch den Preis ehren wird.

Lieber Martin von Arndt, ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zu diesem Preis und wünsche Ihnen für Ihr weiteres Schaffen viel Erfolg.