Thaddäus-Troll-Preis 2008: Laudatio

von Dr. Hubert Spiegel,
Frankfurter Allgemeine Zeitung

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Dr. Hubert Spiegel über den Roman Mobbing: „Lakonisch und scheinbar kunstlos kommt dieses Buch daher, aber tatsächlich ist es von großer Raffinesse und Kunstfertigkeit.“ (Fotos: Klüting)

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Annette Pehnt,

wir müssen los. Ich muss los. Sonst werden wir nie fertig. Und darum geht es doch im Leben, ums Fertigwerden, darum, etwas zu Ende zu bringen, es zu vollenden, oder es doch zumindest zu bewältigen, auf die eine oder andere Weise, und oft genug mehr schlecht als recht.

Vom Zwang des Müssens und seinen Folgen handeln die Büchern Annette Pehnts. Sie erzählen von den Dingen des Lebens und von der Ordnung, den Ordnungssystemen, die wir unermüdlich errichten, um den Dingen des Lebens Form und Sinn zu geben.

Nehmen wir nur den kleinen Herrn Jakobi, eine Figur, die Annette Pehnt sich ausgedacht hat. Herr Jakobi ist ein stiller kleiner Mann unbestimmten Alters, bescheiden, unauffällig, aber nicht ohne eine gehörige Portion Eigensinn. Auch der kleine Herr Jakobi, dessen Geschichten Jutta Bauer in dem vor drei Jahren erschienenen Band sehr schön illustriert hat, kämpft mit dem Müssen, den Zwängen des Lebens. Eine der 25 Geschichten des Bandes trägt den Titel Der kleine Herr Jakobi und die Bücher und geht so:

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„Vom Wunsch, der Ordnung der Dinge des Lebens zu entkommen, handeln – auf die eine oder andere Weise – alle Bücher unserer Preisträgerin.“

Der kleine Herr Jakobi ordnete seine Bücher der Größe nach: Weltatlas, Kunstbände, Kochbücher, Bibel, Reisebücher, Krimis, Gedichtbände. Dann nahm er sie stoßweise aus den Regalen, mischte sie und ordnete sie dann nach ihrem Material: Leder, Pappe, geleimt, geheftet, geklebt. Er wanderte an den Regalen entlang, fuhr mit dem Zeigefinger über die Buchrücken und freute sich an der Ordnung. Hast du das alles gelesen, fragte Stella ihn. Nein, sagte der kleine Herr Jakobi ohne Reue, griff sich ein Buch aus dem Regal und wendete es hin und her. Dann stellte er das Buch zurück an seinen Platz und sagte zu Stella, morgen der Farbe nach.

Sie sehen, wenn ich versuchen würde, eine Ordnung in das Werk Annette Pehnts zu bringen, und das ist ja eine der Aufgaben einer Laudatio, nämlich sinnvolle Aussagen über das Wesen der Bücher der Preisträgerin und die Zusammenhänge innerhalb des Werks zu machen, dann wäre mir der kleine Herr Jakobi keine große Hilfe. Denn der kleine Herr Jakobi sortiert seine Bücher nach der Größe, nach dem Material oder nach der Farbe. Das alles sind Kriterien, die sich im Rahmen einer Laudatio recht schnell erschöpfen. Nehmen wir also lieber ein anderes Beispiel: Die Geschichte heißt Der kleine Herr Jakobi und die Dinge des Lebens und ihr Anfang geht so:

Der kleine Herr Jacobi, beschloss, auf die Dinge des Lebens zu verzichten. Er besorgte sich zehn große graue Kisten aus festem Karton, stellte mitten in der Wohnung auf und begann, alles hineinzuräumen: die Mineraliensammlung, die verbeulte Thermoskanne, das Hirsekissen und das rote Samtkissen, stapelweise Zeitschriften, das gusseiserne Bügeleisen, in das man Geranien pflanzen konnte. Aus den Schubladen holte er Papiere, Urkunden, Rechnungen und Ausweise, die füllten beinahe zwei Kartons. Der kleine Herr Jakobi rieb sich die Hände.

Wenig später ist die Wohnung leer, und die grauen Kisten aus festem Karton stehen gefüllt auf dem Balkon.

Was geschieht hier? Herr Jakobi räumt nicht auf, er räumt leer. Dabei will er keineswegs ausziehen. Herr Jakobi will etwas loswerden, er will sich befreien, vom Ballast, den die Dinge, die wir im Laufe eines Lebens angehäuft haben, irgendwann unweigerlich darstellen. Aber die Dinge, die wir suchen, kaufen, horten, sind ja nie nur Dinge. Wenn sie lang genug in unserem Besitz waren, dann kann es vorkommen, dass sie zu einem Teil unseres Lebens werden, weil Erinnerungen an ihnen hängen und Emotionen mit ihnen verbunden sind. Denn Dinge können das: Gefühle speichern und aufbewahren.

Aber es geht dem kleinen Herrn Jakobi bestimmt nicht nur um die Dinge selbst, sondern auch um die Ordnung, zu der sie sich formiert haben. In seiner Wohnung steht, wie in so vielen anderen Wohnungen auch, jedes Ding an seinem festen Platz. Das nennen wir „Ordnung halten.“

Der kleine Herr Jakobi löst diese Ordnung auf. Was er betreibt, ist die Umkehrung eines Vorgangs, den Rilke in der achten Duineser Elegie beschrieben hat. Ich zitiere:

Und wir: Zuschauer, immer, überall,
dem allen zugewandt und nie hinaus!
Uns überfüllts. Wir ordnens. Es zerfällt.
Wir ordnens wieder …

Herr Jakobi hat’s geordnet. Es ist alles an seinem Platz in der Wohnung des Herrn Jakobi. Aber er will die Ordnung nicht mehr. Herr Jakobi will, dass die Ordnung der Dinge des Lebens zerfällt. Ist der kleine Herr Jakobi ein Chaot oder gar ein Anarchist? Diese Frage lassen wir fürs erste besser noch offen. Außerdem ist die Geschichte ja noch gar nicht zu Ende. Denn während der kleine Herr Jakobi nach getaner Arbeit sinnend durch die leeren Räume streift, klopft es an der Wohnungstür. Ein Besucher kommt, wundert sich, findet die leere Wohnung ungemütlich und flüchtet ins Wirtshaus. Herr Jakobi aber, ich zitiere:

Herr Jakobi lauschte seinen Schritten auf der Treppe. Dann lehnte er sich an die Spüle und sah auf den Himmel und die nackten Küchenwände. Nach einer Weile griff er hinter sich nach seiner blauen Tasse, aber sie stand nicht an ihrem Platz. Ihm fiel ein, dass sie in Zeitung gewickelt auf der Mineraliensammlung ruhte. Seufzend ging er auf den Balkon und öffnete den obersten Karton.

Hier ist die Geschichte zu Ende, aber wir ahnen, wie es weitergeht: Bald schon werden alle Kisten leer sein, die Wohnung ist wieder voll, und jedes Ding steht wie zuvor an seinem angestammten Platz. Wir zerschlagen die Ordnung, aber sie bildet sich wieder neu. Das ist der umgekehrte Rilke: Uns überfüllt’s. Wir zerschlagen es. Dann ordnen wir es wieder. Wir wollen die Dinge des Lebens vielleicht nicht mehr, aber wir werden sie nicht los. Und wir selbst wollen auch los, woanders hin, in eine andere Wohnung oder eine andere Stadt, in eine andere Welt, eine andere Ordnung. Aber wir kommen nicht los. Aber was ist es eigentlich, was uns festhält?

Vom Wunsch, der Ordnung der Dinge des Lebens zu entkommen, handeln – auf die eine oder andere Weise – alle Bücher unserer Preisträgerin. Ihr Debüt Ich muss los, erschienen 2001, verriet den Fluchtimpuls seiner Hauptfigur Dorst bereits im Titel, Insel 34, ihr zweiter Roman aus dem Jahr 2003, handelte von der Insel als klassischem Sehnsuchtsort, einem Topos der literarischen Utopie von Thomas Morus bis Robert Creeley. Von den kleinen Fluchten des kleinen Herrn Jakobi haben wir bereits gehört, und auch der dritte Roman Annette Pehnts, Haus der Schildkröten, erschienen 2006, kennt Fluchtszenen und Ausbruchsphantasien. Wie Herr Jakobi, der in der vorerst letzten seiner Geschichten genug von den Menschen hat und wie Thoreau in den Wald zieht, auch wenn es nur der Stadtwald ist, kehrt der alte Professor Sander in Haus der Schildkröten dem Altersheim und seinen Bewohnern den Rücken und läuft eines schönen, aber kalten Wintertages einfach los, barfuß und in einem dünnen Sommermantel.

Professor Sander sieht auch im hohen Alter noch aus wie ein berühmter Gastredner auf internationalen Kongressen, und tatsächlich ist er auch im Altersheim noch unablässig in seine Forschungen vertieft. Aber als sein Sohn Ernst einmal einen Blick in die Aufzeichnungen seines Vaters wirft, sind die Blätter nur mit Kringeln und Wellenlinien bedeckt. Professor Sander kann sich nichts mehr merken, er hält seine sechsjährige Enkeltochter für seine verstorbene Frau, und seinen Sohn verwechselt er mit einem Kollegen aus glanzvollen Tagen.

Vater und Sohn Sander sind die eine Hälfte des zentralen Quartetts im Roman, die andere Hälfte besteht aus der einstmals ehrfurchtgebietenden Frau von Kanter und ihrer Tochter Regina. Einmal wöchentlich, an jedem Dienstag, fahren Regina und Ernst zum Haus Ulmen, Regina um ihre Mutter, Ernst, um seinen Vater zu besuchen. Zwischen den beiden kommt es zu einer Liebesbeziehung, sie treffen sich regelmäßig, aber irgendwie funktioniert es nicht so richtig. Ein gemeinsamer Urlaub wird von beiden als letzte Chance gesehen, die Beziehung, die gerade erst begonnen hat, zu retten. Die Flucht aus den Ordnungssystemen des Alltags führt nach Malaysia, aber sie misslingt. Man einigt sich darauf, es in Zukunft bei gelegentlichen Treffen zu belassen.

Die alte Ordnung hat sie wieder, alle beide. Ähnlich ergeht es dem alten Professor Sander. Gewiß, er simuliert noch im Alterswahn den Wissenschaftsbetrieb, dem er sein Leben lang angehört hat. Er tut weiterhin, als würde er denken, forschen, Publikationen vorbereiten. Mühsam versucht er die Ordnung, der er sein Leben unterworfen hat, aufrecht zu erhalten. Aber das kann nicht länger gelingen. Ich habe vorhin Rilke nicht ganz vollständig zitiert. Denn von der letzten zitierten Zeile habe ich die Hälfte weggelassen. Sie erinnern sich:

Und wir: Zuschauer, immer, überall,
dem allen zugewandt und nie hinaus!
Uns überfüllts. Wir ordnens. Es zerfällt.
Wir ordnens wieder …

Und jetzt kommt das vorhin unterschlagene Ende:

Wir ordnens wieder – und zerfallen selbst.

Der Zerfallsprozess, den wir Leben nennen, geht für Professor Sander, Frau von Kanter und die anderen Bewohner von Haus Ulmen seinem unerbittlichen Ende entgegen. Und die Gewissheit, dass an diesem Ende all unsere Bemühungen, Ordnungen zu errichten und aufrecht zu erhalten oder ihnen zu entkommen, sie zu zerbrechen oder sie hinter uns zu lassen, in Malaysia oder anderswo, vergeblich sind, diese Gewissheit wird vielleicht nirgendwo so deutlich wie in einem Altersheim. Wenn man an den Tod denkt, heißt es bei Thomas Bernhard, wird alles lächerlich. Das ist bei Annette Pehnt anders, fundamental anders. Das Seufzen des kleinen Herrn Jakobi, wenn er sich daran macht, seine Kisten wieder auszupacken, um ins Joch der soeben überwundenen Ordnung zurückzukehren, die Gespräche zwischen den vorzeitig gealterten späten Liebenden Ernst und Regina, die inneren Monologe der geistig klaren, aber zu keiner Äußerung mehr fähigen Frau von Kanter, die Romanze zwischen Frau Hint und Herrn Lukan, eine Seniorenliebesgeschichte von zartester Verzweiflung und verzweifelter Zartheit – all das atmet nichts von Bitterkeit, ironischer Distanz oder wohlfeilem Zynismus.

Im Gegenteil, Annette Pehnts Blick auf ihre Figuren ist zugewandt, nie denunzierend, aber immer glasklar. Dieser Blick vereint die Schärfe des kalten und distanzierten Beobachters mit der warmen Anteilnahme des verständnisvoll Beteiligten. Das ist eine Mischung, die ausgesprochen selten ist, in der Literatur ebenso wie im Leben. Und deshalb ist es ein großes Glück, das Annette Pehnt sich in ihren beiden jüngsten Romanen Themen zugewandt hat, die in den Medien zwar eine ungeheuer große Aufmerksamkeit gefunden haben, aber in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur fast gänzlich ohne nennenswerte Folgen geblieben sind.

Es gibt Sachbücher über den demographischen Wandel unserer Gesellschaft, die eine Millionenauflage erreicht haben, aber es gibt fast keine Romane, die dieses Thema behandeln. Und es gibt zahllose Ratgeber, die einem helfen sollen, Schwierigkeiten im Berufsleben zu überwinden, aber welche Romane kennen wir denn, die sich mit den modernen Arbeitswelten auseinandersetzen? Man könnte beinahe meinen, die deutsche Literatur sei blind für die Bedingungen, unter denen der größte Teil ihrer Leser lebt. Ich habe ja gar nichts gegen in Berlin spielende Beziehungsgeschichten und gegen Familienromane, die sich über drei Generationen erstrecken müssen, damit das „Dritte Reich“ darin vorkommen kann. Ich habe nichts dagegen, ich habe nur allmählich genug davon.

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„Die größte literarische Leistung dieses erstaunlichen Romans liegt für mich in der Art und Weise, wie Annette Pehnt spürbar werden lässt, wie das Gift der Bürointrige in der Familie wirksam wird, wie eine Säure, die alles zersetzt, womit sie in Berührung kommt.“

Annette Pehnts letzter Roman, für den sie heute den Thaddäus-Troll-Preis erhält, wendet sich einer Problematik zu, die in den letzten zehn Jahren immer intensiver in den Medien diskutiert wurde. Mobbing erzählt eine Geschichte, wie sie sich in deutschen Büros tausendfach zuträgt. Auch das Büro ist ein Ordnungssystem. Annette Pehnts Roman wirft zwei verschiedene Blicke darauf. Der eine gehört ihrer Hauptfigur,. der Ich-Erzählerin, der andere gehört Jo Rühler, dem Ehemann, der in einen Bürokrieg zieht, den er nicht gewinnen kann und der seine gesamte Familie schweren Kollateralschäden aussetzt. Die Schlachtordnung ist denkbar einfach. Sie lautet: Jo Rühler gegen den Rest der Welt.

Rühlers berufliches Ordnungssystem zerbricht, als er eine neue Vorgesetzte bekommt. Rühler ist erfahren und kompetent, er hält sich für clever und unersetzlich. Ohne ihn, glaubt Rühler, geht es nicht, jedenfalls nicht auf Dauer. Außerdem glaubt er an Gerechtigkeit. Aber er irrt sich. Die neue Chefin grenzt ihn aus, er wird an den Rand gedrängt, und bald steht er außerhalb des neuen Systems. Während die anderen sich mit den neuen Machtverhältnissen arrangieren, beharrt Rühler auf der alten Ordnung und auf der Position, die er darin eingenommen hat. Aber die alte Ordnung zerfällt – und Jo Rühler zerfällt mit ihr. Die neue Chefin ordnets neu – aber Jo Rühler nimmt in dieser Ordnung keinen Platz mehr ein.

Annette Pehnt lässt uns, ihre Leser, diesen Vorgang mit den Augen der Ich-Erzählerin betrachten, die am Informationstropf ihres Mannes hängt. Alles, was sie über das Büroleben da draußen weiß, erfährt sie von ihm. Was er verschweigt, bleibt unsichtbar, was er verfälscht, muss sie für die Wahrheit halten. Wenn Jo und sein Freund und Mitstreiter am heimischen Esstisch die Köpfe zusammenstecken, bleibt sie beinahe ebenso sehr ausgeschlossen wie bei den Kantinengesprächen mit Jos Kollegen, die sich nach und nach als weitere Gegenspieler entpuppen.

Aber nicht die allmähliche Niederlage Jo Rühlers ist das beklemmendste an diesem Seite für Seite tiefer unter die Haut gehenden Buch, sondern es ist der unaufhaltsame Siegeszug des Zweifels, der in alle Ritzen und Winkel dieser Familie dringt und die Erzählerin schier zu zerreißen droht. Ist Jo wirklich nur das Opfer? Kann es denn sein, dass er immer alles richtig macht, die anderen aber immer Unrecht haben? Trägt er nicht selbst dazu bei, dass die Verhältnisse immer unerträglicher werden? Ausgesprochen werden dürfen solche Gedanken nicht, das wäre Verrat an der Heimatfront. Annette Pehnts Erzählerin ist vom Argwohn zerfressen – und zur Loyalität verdammt.

Virtuos schildert der Roman, wie zwei Ordnungssysteme, das berufliche und das häusliche, miteinander korrespondieren. Denn der Zerfall der Ordnung im Büro droht auch die familiäre Ordnung mit in den Abgrund zu reißen. Die größte literarische Leistung dieses erstaunlichen Romans liegt für mich in der Art und Weise, wie Annette Pehnt spürbar werden lässt, wie das Gift der Bürointrige in der Familie wirksam wird, wie eine Säure, die alles zersetzt, womit sie in Berührung kommt. Ein paar Tropfen genügen schon.

Lakonisch und scheinbar kunstlos kommt dieses Buch daher, aber tatsächlich ist es von großer Raffinesse und Kunstfertigkeit. Wo andere große Wellen machen, bleibt Annette Pehnt dieser Erkenntnis treu: Ein paar Tropfen genügen schon. Man muss sie nur an den richtigen Stellen fallen lassen.

Es ist kein Wunder, dass Themen der sozialen Lebenswelten so wenig Zuspruch unter deutschen Autoren finden. Denn das Risiko des Scheiterns ist hier besonders groß. Wer eine Seniorenromanze im Altersheim beschreibt oder eine Bürointrige gegen einen Familienvater, der gerät leicht in die Nähe der Kolportage und des Klischees. Annette Pehnt hat diese Gefahren nicht ignoriert, sondern souverän gemeistert. Mut ist zwar keine literarästhetische Kategorie, aber ich bin sicher, dass Mut dazu gehört, sich Themen für seine Bücher zu wählen, die in die Mitte der Gesellschaft und ihrer Probleme und zugleich an den Rand des literarischen Mainstreams führen. Annette Pehnt hat diesen Mut mit jedem ihrer Bücher auf ganz unterschiedliche Weise bewiesen, und ich denke, dass ihr nicht zuletzt deshalb die schöne Auszeichnung gebührt, die hier heute verliehen wird. Ich könnte jetzt zum Abschluss noch einmal zu meinem Leitmotiv zurückkehren und sagen, dass der Thaddäus-Troll-Preis für Annette Pehnt in Ordnung geht. Aber das wäre zu wenig. Außerdem können Ordnungen zerfallen, wie wir gesehen haben. Aber Preise bleiben. Herzlichen Glückwunsch!