Thaddäus-Troll-Preis 2008: Begrüßung

Begrüßung

Dr. Renate Müller-Buck,  Vorsitzende des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg

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Dr. Renate Müller-Buck: „Annette Pehnt verzichtet auf vorschnelle Deutungen, lässt ihren Figuren Raum und macht gerade dadurch die Lektüre ihrer Geschichten zu einem intensiven Erlebnis.“ (Fotos: Klüting)

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie herzlich zur diesjährigen Verleihung des Thaddäus-Troll-Preises an Annette Pehnt.

Besonders begrüßen möchte ich Frau Dr. Bernhardt, Ministerialrätin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, das nicht nur die Mittel für diesen Preis zur Verfügung stellt, sondern die Literatur in Baden-Württemberg insgesamt durch Stipendien sehr großzügig fördert. Frau Dr. Bernhardt ist es zu verdanken, dass der Thaddäus-Troll-Preis seit 2007 wieder jährlich vergeben werden kann, was für die Autoren im Land eine sehr erfreuliche Nachricht ist.

Sehr herzlich begrüße ich auch den Laudator, Herrn Dr. Hubert Spiegel, Chefredakteur und Leiter des Ressorts „Literatur und literarisches Leben“ der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, eine sensible und eher leise Stimme im mitunter recht laut werdenden Literaturbetrieb. Sein literarisches Urteil hat Gültigkeit weit über die FAZ hinaus.

Begrüßen möchte ich auch die Musikerin Stefanie Wilbert von der Musikhochschule Stuttgart, die uns musikalisch begleiten wird, und komme damit endlich zur wichtigsten Person des heutigen Vormittags: Ich begrüße ganz besonders herzlich die diesjährige Thaddäus-Troll-Preisträgerin Annette Pehnt, die heute aus Freiburg zu uns hierher gekommen ist.

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„Preise sind wichtig, damit Literatur entstehen kann, und Baden-Württemberg ist ein Land, dessen Literaturförderung sich sehen lassen kann.“

Annette Pehnt erhält den Preis für ihren im vergangenen Herbst im Piper Verlag erschienenen Roman Mobbing, den die Jury des Förderkreises übereinstimmend für preiswürdig befunden hat.

Mit der promovierten Literaturwissenschaftlerin und Kritikerin Annette Pehnt – sie studierte in Freiburg und Köln Anglistik, Germanistik und Keltologie und promovierte mit einer Arbeit zur irischen Literatur, lebte auch längere Zeit in Irland und in Schottland – wird nicht nur eine wunderbare Erzählerin ausgezeichnet, die schon sehr früh viel kompetentes Lob geerntet hat, sondern auch die Mutter dreier Kinder, die mit ihrem Schreiben eine Familie ernähren muss. Denn: Was sie in ihrem Roman Mobbing schildert, beruht, wie sie in einem Interview bekannt hat, auf eigener Erfahrung. Behutsam und präzise, sich langsam vorantastend schildert sie in diesem Roman den Zerfall einer bürgerlichen Familienidylle durch Mobbing am Arbeitsplatz. Es ist die Geschichte einer schleichenden Erosion, in gut gepolstertem Wohlstandsmilieu, diffus und kaum greifbar, dafür umso vernichtender. „Hölle in Pastell“ nannte es die Thaddäus-Troll-Preisträgerin Angelika Overath in einer Rezension. Annette Pehnt verzichtet auf vorschnelle Deutungen, lässt ihren Figuren Raum und macht gerade dadurch die Lektüre ihrer Geschichten zu einem intensiven Erlebnis.

Preise sind wichtig, damit Literatur entstehen kann, und Baden-Württemberg ist ein Land, dessen Literaturförderung sich sehen lassen kann. Der vom Förderkreis und damit vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst gestiftete Thaddäus-Troll-Preis wird heute zum 25. Mal verliehen. Er versteht sich ausdrücklich als Förderpreis und zeichnet nicht nur ein Werk aus, sondern stellt die Mittel für das nächste bereit, damit der Preisträger oder die Preisträgerin frei von existentiellem Druck arbeiten und schreiben kann. Wir mussten uns beeilen, diesen Förderpreis an Annette Pehnt zu verleihen, denn sie zählt eigentlich schon nicht mehr zum literarischen Nachwuchs. Mit ihren vier Romanen ist ihr in kürzester Zeit der Aufstieg zu einer etablierten Autorin gelungen.

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Mit der Urkunde überreichte Dr. Renate Müller-Buck der Preisträgerin einen Blumenstrauß.

2001 erschien ihr Debütroman Ich muss los, die Geschichte des skurrilen Sonderlings Dorst, begabtes aber verstocktes Einzelkind, mit „knackendem Kiefergelenk“, für den sie gleich mehrere Preise erhielt, darunter das begehrte große Stipendium des Darmstädter Literaturfonds. Es folgte Insel 34, wofür sie 2002 in Klagenfurt den Preis der Jury erhielt – eine der ganz wenigen Autorinnen, der in Klagenfurt kein Haar gekrümmt wurde – die Hauptfigur war diesmal weiblich, eine Sehnsüchtige, Träumende, ebenfalls Außenseiterin und nicht weniger skurril als ihr männliches Pendant Dorst. 2006 erschien Haus der Schildkröten, ein Roman über Alter und Demenz und den alltäglichen Wahnsinn eines Seniorenstifts mit seinen von geistigem und körperlichen Zerfall gezeichneten Bewohnern. Ein Buch, das ebenso wie Mobbing ein ganz aktuelles Thema aufgreift. Nebenbei schreibt Annette Pehnt auch noch Kinderbücher und wurde 2007 für ihr Buch Rabea und Marili mit dem Kinderbuchpreis des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

Nun also erhält sie den Thaddäus-Troll-Preis für ihren Roman Mobbing, den Hubert Spiegel in seiner Laudatio für uns würdigen wird.

Zuvor möchte ich noch dem Leiter des Literaturhauses, Herrn Dr. Florian Höllerer danken, der uns die Räume für die Preisverleihung zur Verfügung gestellt hat.