Thaddäus-Troll-Preis 2005: Ansprache Ulrich Zimmermann

„Ein schönes, bewegendes Buch“

Von Ulrich Zimmermann

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Angelika Overath,

eine Preisträgerin hat es gut: für ein Weilchen steht ihr der Himmel offen. Die Schein–Werfer (ja, auch jene mit den Geldscheinen) fallen förmlich auf sie. Selbst die Medien können nicht umhin, den nicht unbekannten Namen erneut zur Kenntnis zu nehmen und ihre oft kurzen Einblicke in das ausgezeichnete Werk zu verbreiten.

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Ulrich Zimmermann Fotos: Peter Tkocz

Und das geht eine Weile munter weiter, Preisträgerin und Verlag, aber auch die Preisgeber freuen sich über die Medienpräsenz, die umso länger anhält, je mehr Zeit zwischen der Verkündigung (Mitte Juli) und der Preis–Übergabe (heute) vergeht.

Ist der Preis auch noch mit dem Namen eines prominenten Vor–Schreibers (Thaddäus Troll) und einer hübschen Geldsumme (10 000 Euro) verbunden, nimmt auch ein geneigtes Publikum gern Notiz, denn hier ist Kunst offenbar einmal nicht brotlos geblieben. Man fasst den Vorsatz, sich den vielversprechenden Namen zu merken – und harrt nun der Werke, die noch kommen (sollen).

Und bei der Preisträgerin meldet sich langsam der Hunger, endlich wieder ungestört arbeiten zu können, aber davon wollen wir heute nicht reden. Ab morgen lassen wir Sie wieder in Ruhe, liebe Angelika Overath.

Heute ist der Tag der Sättigung: Sie haben viel Lebenserfahrung, Arbeit und Ihre hohe literarische Gestaltungsfähigkeit in ein schönes, bewegendes Buch investiert und es uns geschenkt. Dafür sind wir Ihnen unendlich dankbar.

Ihnen aber auch stellvertretend für alle, die nicht im Scheinwerferlicht der öffentlichen Wahrnehmung stehen. Wie viele leisten wieder und wieder – und immer auf eigenes Risiko – ihren Beitrag zum Fortbestand unserer literarischen Kultur durch Überlieferung des Erlebten, Gedachten, Entworfenen. Die meisten von ihnen sind und bleiben Arbeiter, die keinen Vorschuss bekommen, keinen Lohn und am Ende bestenfalls eine mehr als bescheidene Rente aus der Künstlersozialkasse.

Eine traditonsreiche Institution wie der Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden–Württemberg hat es täglich mit diesen Über–Mutigen zu tun, die gegen den Tsunami der Unterhaltungsindustrie darauf setzen, dass auch am Ende das Wort gelte.

So begegnet der Förderkreis allen, die sich mit ihren literarischen Projekten um Arbeitsstipendien oder Lesemöglichkeiten bewerben, mit tätiger Empathie. Tagtäglich erhält die Geschäftsführerin Projekt–Anträge und verteilt sie an die Juroren.

Diese turnusmäßig wechselnde Jury aus unabhängigen und ehrenamtlich arbeitenden Literaturfachleuten prüft jedes Projekt auf seine Tragfähigkeit hin. Scheint ein Ansatz geglückt, vergeben wir ein Arbeitsstipendium.

Dies wird uns ermöglicht durch die Bereitstellung von Mitteln aus dem Landeshaushalt und weil uns das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst tatkräftig unterstützt. An dieser Stelle großen Dank also an die Landesregierung, heute vertreten durch Sie, Frau Dr. Bernhardt.

Sie führen das für die Autorinnen und Autoren des Landes so ertragreiche Werk ihrer beiden Vorgänger, Egbert Hans Müller und Ralf Jandl, fort. Auch die beiden zuletzt Genannten waren uns stets verlässliche und verständnisvolle Partner.

Früher alljährlich, jetzt alle zwei Jahre, ermittelt unsere Jury aus den Reihen erfolgreicher Bewerber eine Thaddäus–Troll–preiswürdige Person, und so ist die Verleihung auch für uns ein Festtag geworden – und ein Anlass, all jenen zu danken, die seit dreißig Jahren im fruchtbaren Weinberg des Förderkreises gearbeitet haben, in dem nicht nur, aber gelegentlich auch Trollinger gedeiht.

Die Namen aller Juroren und Vorstandsmitglieder aus über dreißig Jahren sind bereits Legion – einzelne hervorzuheben müsste andere kränken.

Angelika Overath hat sich mit dem Plan zu ihrem heute ausgezeichneten Werk 2002 beim FK um ein Arbeitsstipendium beworben.

In Förderband 2 – Zeitschriften, unserer seit 4 Jahren jährlich erscheinenden Anthologie mit Arbeiten der Stipendiaten, hatten wir Texte aufgenommen, die Vorstufen waren zu ihrem Buch Nahe Tage, Roman in einer Nacht.

Auch der Thaddäus–Troll–Preis ist, streng genommen (und so wird er in unserer Satzung auch genannt) ein Stipendium, und damit eine Investition auf Entstehendes. So zeichnet der Preis nicht nur das bereits fertige und erschienene Werk aus, sondern stellt auch eine materielle Basis bereit, damit die Preisträgerin eine Weile in Ruhe arbeiten kann – und das ist, denke ich, für alle Schreibenden ein fast himmlischer Umstand.

tp05uzao2Meist trog die Hoffnung nicht, dass mit Hilfe des Preises Neues entstünde. Ein Blick auf die lange Liste der bisherigen Preisträger belegt dies. Ich nenne – nur stellvertretend für alle anderen – Rafik Schami und Arnold Stadler – beide meines Wissens vom Förderkreis zum ersten Mal mit einem Literaturpreis bedacht.

Sehr glücklich sind wir heute Abend über die tätige Anteilnahme der Stadt Stuttgart, Herr Dr. Ostberg, und die Gastfreundschaft der Stadtbücherei. Frau Bußmann, Frau Lohmann und ihren Mitarbeiterinnen, die für die festliche Ausrichtung der Veranstaltung gesorgt haben, Ihnen allen sage ich herzlich danke.

Liebe, verehrte Angelika Overath, genießen Sie den Trollinger, den ich Ihnen kredenzen darf, wenn wir die Laudatio von Irene Ferchl gehört haben, eine gute Weile. Wir werden Sie im Auge behalten und uns freuen, wieder von Ihnen zu hören – und vor allem zu lesen.