Thaddäus-Troll-Preis 2001

Preisträgerin: Anna Breitenbach, Esslingen

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Die Begründung der Jury:

Nach Auffassung der Jury wird in Anna Breitenbachs Buch eine ganz eigenwillige literarische Tonlage angeschlagen. Aus der Sicht eines Kindes schildert die Autorin in knappen, schlaglichtartigen Kapiteln eine Familiengeschichte der fünfziger Jahre. In ihrem Roman „Fremde Leute“ verbinden sich epische Genauigkeit, psychologisches Feingefühl, die poetische Kraft einer auf kunstvoll schlichte Weise lyrischen Prosa und die liebevolle Zuneigung der Autorin zu ihren Figuren unprätentiös-faszinierend zu einem Klang, in dem unser aller kindliches Wissen und unsere kindliche Sehnsucht nach einer besseren Welt mitschwingen.

Anna Breitenbachs literarischer Werdegang ist ganz im Sinne des Namensgebers des Thaddäus Troll-Preises gekennzeichnet von präziser, unbestechlicher Wirklichkeitswahrnehmung, die in möglichst schlackenfreie, da und dort fast gläsern anmutende Sprache und Form überführt wird.

Nicht zuletzt auch deswegen ist der Autorin mit ihrem ersten Roman „Fremde Leute“ ein schmerzliches und gleichzeitig heiteres, auf alle Larmoyanz und vordergründige Anklage verzichtendes Buch gelungen, ein Buch, in dem nach Meinung der Jury der Charakter der Nachkriegszeit und der bittersüße Hauch einer Kindheit in einer Familie kleiner Leute eingefangen sind.

Zur Person:

Anna Breitenbach, geboren 1952, studierte Germanistik und Politikwissenschaft in Göttingen und Tübingen. Journalistenschule in München, freie Reporterin und Autorin für den Süddeutschen Rundfunk Stuttgart. 1996 Organisation der Literaturwochen DichtKunst im Central Theater Esslingen. Veröffentlicht:
Funkreportagen, Lyrik und Prosa in Literaturzeitschriften.
statt karten, Postkartenbuch mit Gedichten, Edition Max Müller Stuttgart, 1995.
Alte Bekannte, Kurzgeschichten, Reihe Fragmente der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe, 1997
Fremde Leute, Roman, demand Verlag Waldburg, 2000.

Anna Breitenbach lebt in Esslingen.

Laudatio von Dr. Hermann Kinder