Thaddäus-Troll-Preis 1999

Preisträger: Karl-Heinz Ott, Freiburg

Karl-Heinz Ott erhielt am 18. Juli 1999 in Freiburg den mit 10 000 Mark dotierten Thaddäus Troll Preis für seinen Debut-Roman „Ins Offene“.

Der Förderkreis zeichnet mit dem 42-jährigen Karl-Heinz Ott einen Schriftsteller aus, dem es gelungen ist, mit seinem späten Debüt-Roman „Ins Offene“, 1998 im Residenz-Verlag erschienen, sich nicht nur in die „Literaturgeschichte der letzten Dinge“ einzuschreiben, sondern der auch unübersehbar anknüpft an das Genre des oberschwäbischen Heimatromans, wie es in letzter Zeit von Martin Walser oder Arnold Stadler konturiert worden ist.

In der langen Reihe von zeitgenössischen Romanen „um Leben und Tod“ der eigenen Mutter hat Karl-Heinz Ott, der auch als Dramaturg und Kritiker arbeitet, sicherlich das stillste und melancholischste Buch vorgelegt.

Der Autor scheut sich nicht, in kräftigen Farben Bilder seiner Kindheit zu einem poetischen Panorama seines Lebens zusammenzufassen, in dem gleichzeitig das „Dumpfe und Klobige“ der oberschwäbischen Herkunftswelt beschworen wird. Doch dabei imaginiert der Erzähler idealische „Wunschbilder von Heimat“, die alle Kindheitsschrecken überstrahlen und allen Todesschrecken bannen sollen.

Otts Roman ist ein gelungener Balance-Akt zwischen melancholischer Todeserwartung und romantischer Ursprungssehnsucht. Nur wenn, wie hier, die Literatur die Sprache der Sterblichkeit spricht, hat sie auch Anteil am Drama unseres Lebens.

Zur Person:

Karl-Heinz Ott wurde 1957 in Ehingen/Donau geboren. Studium der Philosophie, Germanistik und Musikwissenschaft. 1986 bis 1993 Leiter der Schauspielmusik und Dramaturg an der Württembergischen Landesbühne Esslingen und an den Städtischen Bühnen Freiburg. 1993 bis 1995 Chefdramaturg der Oper am Theater Basel. Seit 1996 freischaffender Schriftsteller und Dramaturg. 1998/99 vorwiegend am Theater am Neumarkt in Zürich tätig. Bühnenbearbeitungen von Platons „Gastmahl“ und Gerhard Meiers „Baur und Bindschädler“-Romanen. 1998 erschien der Roman „Ins Offene“ beim Residenz Verlag. 1999 Förderpreis zum Friedrich Hölderlin-Preis. Weitere Veröffentlichungen in den „manuskripten“ und dem Festspielalmanach der Salzburger Osterfestspiele 1999.