Thaddäus-Troll-Preis 1998

Preisträger: Markus R. Weber, Mannheim

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Martin Blümcke, der Vorsitzende des Förderkreises (rechts), überreicht den Thaddäus-Troll-Preis des Jahres 1998 an Markus R. Weber.Foto: Mathias Michaelis, Pforzheim, für das Schiller-Nationalmuseum Marbach/Neckar. Wir danken dem Schiller-Nationalmuseum/ Deutsches Literaturarchiv Marbach am Neckar für die Genehmigung, die beiden Fotos auf dieser Seite zu veröffentlichen.

Markus R. Weber erhielt am 24. September 1998 den mit 10 000 DM dotierten Thaddäus Troll-Preis 1998 für seinen Prosaband „Extremisten“.

Mit dem 35jährigen Markus R. Weber zeichnet der Förderkreis einen noch weitgehend unbekannten Autor aus. Im September 1998 erschien in der Edition Solitude sein erster Prosaband „Extremisten“. In diesen „Augenzeugenberichten“ erweist sich der Autor als scharfer Beobachter der unseren Alltag immer massiver beeinflussenden Medienwelt. Seine Prosastücke zeichnen verdichtete Porträts von Menschen, denen ihre eigene Identität zugunsten einer fremdgesteuerten Scheinidentität abhanden gekommen ist.

Markus R. Weber tritt als Autor eines neuen Typs auf: fiktive Geschichten ersetzt er durch knappe Monologe von Akteuren, Show-Darstellern und Tätern; an die Stelle von Einfühlen und Verstehen setzt er den kalten Blick des Zeitzeugen. Der Autor durchstößt mit seiner Sprache den schönen Schein der Beschreibungsliteratur. In der Sprache, die Weber seinen Protagonisten verleiht, entlarven sich die Selbstinszenierungen unserer Alltagswelt selbst.

In seinen wenigen bislang vorliegenden Werken ist es Weber auf beeindruckende Weise gelungen, unserer Gegenwart mit Sprache einen kritischen Spiegel vorzuhalten. Virtuos benutzt er dazu die kleine Form des Protokolls und des Monologs.

Zur Person:

Markus R. Weber wurde 1963 in Worms geboren, heute lebt er als Schriftsteller in Mannheim. Sein Germanistikstudium schloß er 1996 mit einer Dissertation über den expressionistischen Autor Paul Kornfeld ab. Seit Anfang der 90er Jahre hat er literarische Arbeiten in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht, u.a. in „Die Horen“, „manuskripte“ und „ndl“. 1995 erschien ein erster Gedichtband „Am Mensch war Wort“.

1995 erhielt Weber den Joseph-Breitbach-Förderpreis. 1997 war er Stipendiat der Akademie Schloß Solitude. Im April dieses Jahres gelangte er mit seinen Texten in die Endausscheidung zum Lyrikpreis Meran.

Im September 1998 erschien sein erster Prosaband „Extremisten. 33 Augenzeugenberichte“ in der Edition Solitude.