Ulrich Zimmermann zum Erscheinen des ersten Förderbandes

Natürlich spreche ich als einer der Herausgeber dieser Publikation und Vorsitzender des Förderkreises im eigenen Interesse. Aber Sie werden gleich sehen, dass sich dahinter die Interessen einer ganzen Gruppe von Literaturmenschen verbergen, die ich Ihnen ein wenig aufdecken kann.

Ich nehme an, Sie sind unter anderem vielbeschäftigte Leserinnen und Leser und wissen deshalb: Es gibt viel zu viele Bücher. Wozu also noch „Förderband 1 – Trollblumen“ und in kommenden Jahren vielleicht Nr. 2 undsoweiter. Was kann/soll diese Bücher denn vor anderen auszeichnen, was finden Sie in ihnen, das es sonst so nicht gibt?

Ebenfalls leidenschaftliche und sachkundige Leserinnen und Leser sind die Mitglieder der unabhängigen Jury des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg e.V. Sie haben in einem mühevollen Arbeitsprozess aus der Flut von etwa 70 Stipendiumsanträgen über ein Jahr jene herausgefiltert, die ihnen als literarische Projekte vielversprechend erschienen.

Diese Ansätze wurden mit Arbeitsstipendien gefördert. Sie sollten die Autorinnen und Autoren ermutigen, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. Solche nicht nur, aber auch materielle Förderung kann für – zumal noch nicht arrivierte – Autoren ein entscheidender Anstoß sein, den eigenen Impulsen und Kräften weiter zu vertrauen und aus dem Entwurf einen Wurf zu machen. Das gilt auch dann, wenn der Geldbetrag nicht groß genug ist, dass sich der oder die Geförderte für geraume Zeit sorgenfrei dem literarischen Projekt verschreiben kann.

Bisher beschränkte sich der Förderkreis auf solche Glücks-Zeichen, die nach der Juryentscheidung Gestalt annahmen in einem Geld verheißenden Brief der Geschäftsführerin. Nur einer oder einem unter den Geförderten wurde zusätzlich die Ehre zuteil, in aller Öffentlichkeit ein größerers Arbeitsstipendium in Form des Thaddäus-Troll-Preises in Empfang nehmen zu dürfen. Das war im letzten Jahr im neueröffneten Literaturhaus Stuttgart die Esslinger Autorin Anna Breitenbach – sie liest heute Abend einen Text, der in engem Zusammenhang steht mit ihrem Buch „Fremde Leute“, für das sie ausgezeichnet wurde – übrigens ein „Book on Demand“ wie „Trollblumen“.

Gewiß, auch die anderen Stipendiaten konnten die Tatsache, dass sie als förderungswürdig anerkannt worden waren, auf der Habenseite ihrer Biographien verbuchen und damit – in bescheidenem Maße – hausieren gehen. Im Allgemeinen jedoch strahlte der Erfolg eher nach innen als nach außen, und ein größeres Ansehen gab das eher bescheidene Stipendium dem Geehrten kaum, von einer Erhöhung seines Marktwertes ganz zu schweigen. Und was nützt das schönste Stipendium, wenn das Manuskript trotzdem in der Schublade liegen bleibt?

In jedem Verein, auch im Förderkreis, versucht ein neuer Vorstand sich durch neue Vorhaben zu legitimieren. Nun kann man viele Ideen produzieren, doch sie dann in die Tat umzusetzen, ist der schwierigere Teil.

Als ich bald nach meiner Wahl im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst für das Projekt einer Publikationsreihe warb, fand ich sofort Verständnis und eine gebende Hand. Freilich enthielt die Zusage auch die dem Sinn nach zitierte Mahnung „zur Gewohnheit werden darf das aber nicht“. Mit der Anschubfinanzierung war aber der Anfang möglich. So konnte die erste Ausgabe der Reihe „Förderband“ zusammengestellt werden. Die Herausgeber, Rainer Wochele und ich, erledigten die übliche Arbeit des Lektorierens und Redigierens, schließlich die Texte-Dramaturgie und die Erfindung eines Titels. Aus der Vielzahl der Ansätze wurde ein Stück. Eine Anthologie, die nun, zum mindesten für den Zeitraum bis zum Erscheinen von Förderband Nummer zwei, einen Einblick gibt in das, was hierzulande in Baden-Württemberg heranwächst oder schon blüht.

Mit der heutigen Veranstaltung gehen wir noch einen halben Schritt weiter – dank des hoch zu lobenden Engagements der Stadt Esslingen. Auf unser Angebot, eine Lesung mit sechs Beiträgern aus Förderband eins bzw. zwei zu veranstalten und zu honorieren, reagierte sie mit einer großzügigen Projektförderung. Eine weitere Kommune hat sich bereits um die Förderung von Band Nummer 3 beworben.

Den halben zweiten Schritt, sage ich. Denn es bleibt uns nicht erspart und ist schließlich auch im Sinne der Autorinnen und Autoren, Band eins nun zu verbreiten und dabei mit ihm auch Geld zu erwirtschaften. Denn bis jetzt klafft noch eine nicht unerhebliche Finanzierungslücke für den nächsten Band.

Mit dem Titel „Trollblumen“ spielen wir bewusst auf Thaddäus Troll an. Viele Autoren meiner Generation verdanken ihm neben anderen fördernden Taten auch die Gründung des Förderkreiseses deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg.

Mancher unter Ihnen wird sich mit einigem Befremden fragen, weshalb wir „Trollblumen“ als „Book on Demand“ produziert haben. Ein feines Buch in einem bekannten Verlag wäre doch sicher eine bessere Lösung gewesen. Dem kann ich nur zustimmen, und der Förderkreis wird nicht zögern, bei entsprechenden Angeboten zuzugreifen.

Uns war es für den Beginn jedoch wichtig, die Produktionskosten überschaubar zu halten, und dafür ist das technische System des „Book on Demand“ im Moment das ideale. Wir können nicht wissen, wie viele Exemplare der „Trollblumen“ benötigt und gekauft werden. Bei der aufwändigen Herstellung im verlagsüblichen Verfahren muss aber eine bestimmte Auflage gedruckt werden, will man den Verkaufspreis überhaupt auf vernünftigem Niveau halten. Und was macht man schließlich mit möglicherweise beträchtlichen Resten? Das ist dann in der Tat nur totes Kapital. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, dieses Kapital lieber den Autoren in Form von Honoraren zugute kommen zu lassen. Wenn sie unser Buch in die Hand nehmen, werden Sie sehen, dass die Texte sorgfältig gesetzt und gedruckt erscheinen. Wir meinen, es steht einem Förderverein gut an, den Inhalten einen größeren Stellenwert zuzumessen, und nicht so sehr der äußeren Form.

Im übrigen zählen wir auf Mundpropaganda von Leserinnen und Lesern wie Ihnen und auf sachkundige Journalisten, die solche nicht marktträchtigen Versuche schätzen und unterstützen. Das literarische Baden-Württemberg hat einen fruchtbaren Fundus. Es gilt ihn zu entdecken. Die Publikationsreihe „Förderband“ wird dazu Beiträge liefern, wenn sie Leser findet wie Sie.